Pressestimmen

Konzertkritiken

Stuttgarter Zeitung

Trostberger Tagblatt

Musik, die den Alltag aufbohrt. Grandios Weltumspannendes vom Duo HAMMERLING und vom Dichter Paulmichl im k1 in Traunreut—Von Afrika über Balkan bis Südamerika

Von Andreas Falkinger

Traunreut. Ja, was ist denn das? Alphorn, Kuhglocken, Maultrommel–wenn das Instrumentarium auf der Bühne die Erwartung weckt, man bekäme jetzt gleich alpenländische Klänge zu hören, dann kann man die getrost gleich wieder einsalzen. Wenn’s im Konzert von HAMMERLING im k1-Studio tatsächlich um Heimat gehen sollte, dann fassen die Musiker Erwin Rehling und Fritz Moßhammer den Heimatbegriff sehr, sehr weit.

Nein, in die Irre führen HAMMERLING niemanden. Die anderen Instrumente, die sie auffahren, haben mit Alpinmusik wenig zu tun: Schlagzeug, Steinspiel, Marimba, Flügelhorn und Fujara zeigen schon eher, wo’s langgeht. Ein weltmusikalisches Instrumentarium also. Weltmusik. Machen Rehling und Moßhammer Weltmusik? Wenn man darunter diese ethnisch-esoterisch verschwurbelte Chimäre aus Bach trifft afrikanische Rhythmen, aus Mozart trifft kubanische Musik, diese verklassikpopte Folklore versteht, dann gewiss nicht. Wenn HAMMERLING Weltmusik machen, dann–aus ihrer Welt.

Zahllose Klangfarben
Diese HAMMERLING-Welt ist bunt, hat zahllose Klangfarben. Volksmusik, mongolischer Obertongesang, Jazzelemente, Tango, Walzer, Polka, Afrika, Balkan, Südamerika. Spielt alles rein. Dennoch ergibt das keinen Mischmasch aus kaum vereinbaren Stilen. So wie es den ersten Jazzern gelungen ist, verschiedene Einflüsse und Stile zu verschmelzen, so schaffen das HAMMERLING mit ihrer Musik. Weltjazzmusik. Ein solches Etikett brauchen die beiden gar nicht. Schubladen sind für Theoretiker. Rehling und Moßhammer sind Praktiker, und was für welche. Gut, man sollte erwarten dürfen, dass derjenige, der sich auf eine Bühne stellt, sein Instrument beherrscht. HAMMERLINGs Könner- oder Meisterschaft muss also nicht überraschen. Aber wie sie die Instrumente spielen! Im Sinne der Erfinder mag das nicht sein–doch im Sinne der Zuhörer.

Moßhammer treibt das Maultrommel-Prinzip auf die Spitze: Wenn schon alle auf dem Ding erzeugbaren Obertöne auf dem Grundton basieren, dann kann man sich auch gleich auf diesen Grundton einschwingen und die Maultrommel als Rhythmusinstrument nutzen. Wobei am eigentlichen Rhythmusinstrument, am Schlagzeug, Kollege Rehling sitzt. Der allerdings schert sich wenig um die dem Schlagwerk zugeschriebenen Aufgaben: Er ist erst mal solistisch unterwegs, experimentiert mit den Klängen der Felle und Becken. Aus den Sounds wird langsam ein Muster, aus Maultrommel-Rhythmus gegen Schlagzeug-Rhythmus wird eine Einheit verschachtelt, geschichtet, verwoben. Die Maultrommel gibt dem Ganzen etwas Mantrisch-Mystisches. Das verstärkt Moßhammer noch, indem er simultan an der Maultrommel vorbeisingt. Der Zuhörer erlebt gespannt bis zur Atemlosigkeit mit, wie sich die Musik entwickelt. Berieseln lassen gibt’s nicht, die oben auf der Bühne erarbeiten das Stück, die unten arbeiten beim Hören mit.

Und wenn sich der Zuhörer dann in den archaischen Klang, ins HAMMERLING-Mantra hineingefühlt hat–legt Moßhammer die Maultrommel weg, schnappt sich das Alphorn und bläst darauf ein Jazzposaunensolo, das sich gewaschen hat. Aber vom Allerfeinsten. Kaum glaubt man zu verstehen, wie HAMMERLING ticken, machen die beiden etwas völlig anderes. Nur der Langeweile keinen Schwung lassen.

Ja, Rehling und Moßhammer arbeiten, sie halten fast permanent Blickkontakt, gehen in den allerkleinsten Nuancen aufeinander ein, spielen sich die Bälle traumwandlerisch sicher zu. Hoch konzentriert und hellwach, die Antennen permanent auf Empfang gestellt, gehen sie zu Werke. Das ist Arbeit, aber Plackerei ist’s offenbar keine. Weil’s trotz aller Komplexität geradlinig und echt bleibt. Außerdem haben die beiden Spaß auf der Bühne. Spricht nicht für Plackerei. Der Spaß überträgt sich unmittelbar aufs Publikum.

Horizont erweitern
Zwischen den Stücken liest Rehling Gedichte des Südtiroler Autors und Malers Georg Paulmichl. Der ist als geistig behindert abgestempelt. „Ich bin nicht behindert, ich kann lesen“, sagt Paulmichl. Und er kann schreiben. Seine Gedichte setzen sich aus geistreichen Aphorismen zusammen; er verknüpft Assoziation mit Assoziation. Seine Zeilen sind so überraschend wie klar und direkt. Und oft gipfeln Gedichte in knochentrockenen Pointen. Keine Witze, keine Brüller, nichts, worüber man sich lustig macht, meist entlarvend.

Paulmichls Gedichte und HAMMERLINGs Musik haben viel gemein: beide sind eindeutig strukturiert, klar, verwoben, selbstreflexiv, komplex, stimmig in ihrer Welt. Der Autor nimmt Begrifflichkeiten, hört in sie hinein, zerklaubt Wörter, lädt ihren Sinn mit abweichenden Bedeutungen ihrer Wortbestandteile auf, erfindet Begriffe, überrascht. Nicht viel anders machen es Rehling und Moßhammer: Auch sie zerlegen, analysieren, gehen den Klängen auf den Grund und bauen neu auf. HAMMERLING und Paulmichl–das passt zusammen. Alle drei Künstler arbeiten beständig daran, den Horizont zu erweitern, den Alltag aufzubohren. Grandios weltumspannend.

Nürnberger Nachrichten

WELTUMSPANNEND ALPENL\C4NDISCH
Das Duo Hammerling führte die Zuhörer im Kulturforum auf ungewohnte Klangpfade

Den eigenen Kulturraum erschließen und mit der Musik in die weite Welt hinaustragen – viele Künstler versuchen das. Wenigen gelingt das aber auf so ungewöhnlich kreative Weise wie dem Duo Hammerling. Die Österreicher Fritz Moßhammer und Erwin Rehling, die im Kulturforum auftraten, verwirrten mit originellen Stücken fränkische Ohren.

Spielt der Schlagzeuger im Takt? Wissen die beiden Herren auf der Bühne eigentlich, dass sie als Duo auftreten sollen? Während Erwin Rehling munter seinen Rhythmus hält, laufen die seltsamen Töne der Mundtrommel, die Fritz Moßhammer zwischen seine Lippen gepresst hat, dem Schlagzeug zuwider. Nur langsam gewöhnen sich Dudelradio-gewohnte Zuhörer an die unkonventionellen Klänge aus noch unkonventionelleren Instrumenten. Zur Ruhe kommen die Gedanken nicht. Vielmehr versucht der Geist automatisch, Melodien zu erkennen und sie in bekannte Schubladen einzuordnen. Ohne Erfolg.

Wenn man die Augen schließt, passt diese Mundtrommel in eine Dokumentation über fremde Kulturen Afrikas oder Ozeaniens, Ureinwohner, die um ein Feuer tanzen, kommen einem in den Sinn. Dann dröhnt das Schlagzeug dazwischen. Die Dynamik der Musik verändert das Duo im Gleichschritt.

Schwarzes Alphorn
Dann wechselt Moßhammer das Instrument. Eben noch Mundtrommel, jetzt schwarzes Alphorn. Als wäre es das Saxofon eines Jazzers, spielt der Salzburger das traditionelle Spielgerät seiner Heimat. Mit volkstümlichem Stadt-Megakitsch und Menschen in Lederhosen hat das wenig zu tun.

2002 gegründet, trat Hammerling bereits zwei Jahre später erstmals im Kulturforum aut Seitdem kam das Duo innner wieder und brachte neue Ideen mit. Zwischen den Stücken entsteht eine fast schon intime Nähe zwischen Musikern und Zuhörern. Nach dem „Techtelmechtel von Odysseus und Kalypso“ folgt dann tatsächlich eine „Reise durch die Bergwelt“, wie Moßhammer ankündigt. Nun wechselt er von der Taschentrompete zur Muschel, später kommt noch ein imposantes Glockenspiel ins Spiel, Rehling schlägt ein selbst gebasteltes Xylophon an. Aus der Muschel, die bei unsereinem immer nur Meeresrauschen kann, ertönen sagenhafte Melodien.

Die Bühne: ein Sammelsurium kurioser Klangerzeuger. Hammerling bedient sich kräftig bei europäischer und afrikanischer Traditionsmusik, gepaart mit zeitgenössischem Improjazz. Hier sind Vollblutmusiker am Werk, die sich und ihre Stücke nicht zu ernst nehmen. Einfach sympathisch.

KATHARINA TONTSCH

Süddeutsche Zeitung

15-konzert-2006-sueddeutsche

Jazzthetik – Magazin für Jazz und Anderes

Diese „Hommage an die verlorenen Sprachen“ macht erst mal sprachlos. Dabei lassen Provenienz und Besetzung des Trios die.hammerling zunächst von einem wie auch immer gearteten Umgang mit alpenländischer Volksmusik ausgehen. Aber Fritz Moßhammer, der Alphorn- und Maultrommelspieler sowie Trompeter, der übrigens in einem Wirtshaus aufwuchs, will nach eigenem Bekunden bei dieser Hommage möglichst weit „über den Berg hinüberblasen.“ Die Instrumentierungen und Arrangements verleugnen ihre Heimatnähe nicht—und das ist gut so. Und schon wird es sinnlich, dass es weh tut: Es klagt und jubiliert Fritz Moßhammers Trompete, wie sie ein Sehnsuchtsmotiv ausruft, später immer wieder verdichtend und kommentierend eingreift und dafür zuweilen auch den eigenen Vewandten, der Taschentrompete oder dem Flügelhorn Platz macht.

Dann ist da die leidenschaftliche Straßenmusikerin Michaela Dietl, die ihr Akkordeon aus tiefstem Herzen spielt, so dass genug heißer Atem durch all diese hier vorhandenen Mitternachtstangos, Balladen und Slow-Waltz-Arrangements strömt. Dass sie damit auch schon einem Fred Frith auf Augenhöhe zur Seite stand—das nimmt man ihr ohne Weiteres ab!

Erwin Rehling trommelt viele Rhythmen so leichtfüßig, dass es umso eindringlicher treibt und groovt—und er gibt durch viele Klangerzeuger aus Metall, Holz und Stein dieser mystischen Alpen-Band ihre ganze Naturmagie zurück. So wird die Aura einer simplen Archaik zum bezwingenden Treibmittel, so setzt eine dezidiert ausgeforschte, dabei verblüffend einfach aufs Wesentliche konzentrierte Klanglichkeit schier grenzenloser emotionaler Tiefenwirkung frei. Imaginär in ferne Weiten schweifen lassen ostasiatisch modulierende Maultrommel-Klänge, ebenso wie pentatonische Tonfolgen ans ferne „Surinam“ (wie eines der Stücke heißt) denken lassen. Michaela Dietls Stimme kommt nur – auch das steht für die kluge Ökonomie dieser Produktion – für ausgesuchte Parts ins Spiel. Dunkel ist ihr Timbre, und sie weiß schamaninnenhaft in Trance zu versetzen. Und lange hat man Bluesfeeling nicht mehr so stylish von jedem Klischee entkoppelt erlebt wie in den Stücken „Stimmen des Mondes“ oder „Blue Bird“.

Jetzt nur nicht alles zerreden. Hören und eintauchen. Sich fallen lassen. Süchtig werden. Aber das Trio musizierte auch schon, um von so etwas heilen zu helfen. lhre lyrische Klangwelt untermalt den Dokumentarfilm „\DCber den Berg“, der von einer therapeutischen Alpenüberquerung junger Drogenabhängiger erzählt und wo die Musik die Innenwelt dieser jungen Menschen nachzeichnet.

Stefan Pieper

Main Post

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Augsburger Allgemeine

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Salzburger Nachrichten

Mutig auf der Suche nach fremder Nähe
SN-Bericht über „Hommage an die verlorenen Sprachen“

Steine klopfen. Maultrommel surren lassen. Schellenbaum rütteln. Mit solchen Sachen beschäftigen sich der Bayer Erwin Rehling und der Salzburger Fritz Moßhammer. Daraus entstehen seit 2002 wagemutige Klänge, in der Alphörner oder Flügelhorn die Ferne beschwören und allerlei Schlagwerk die Bodenhaftung herstellt. Seit 2006 lässt Michaela Dietl ihre Ziehharmonika dazu atmen.

Nun ist auf Album zu hören, woran die drei unter dem Namen die.hammerling feilen. „Hommage an die verlorenen Sprachen“ heißt das Album.

Das Zusammenspiel erzeugt dichte Atmosphäre. Es tauchen Stimmungen auf, die mit dem ersten Ton aufwühlen und solche, die bedächtig mäandern, sich heimlich anschleichen. Daraus entwickeln sich 15 Einheiten, die eher Mini-Symphonien als Lieder genannt werden müssen. Viele klingen, wie sie heißen: „Umseck“, „Vadraht“ oder „Call Ypso“. Es hört sich immer an, als tauchten fremde Welten auf. Doch schnell lässt sich erkennen, dass man akribischer und mutiger Erforschung des Gutbekannten folgt. Nur ist das Gutbekannte fein getarnt und raffiniert verschoben. die.hammerling nutzen die formale Freiheit des Jazz. Sie gehen unbekümmert und radikal mit Traditionen zwischen Tango und Landler um. Wo Sprache auftaucht, wird sie konsequent zum Instrument. In einer Welt, die Traditionen gern verkitscht, schlagen die.hammerling eine andere Richtung ein: Sie schufen dank des Willens zu Erneuerung und Eigenständigkeit eines der aufregendsten Alben des Jahres.

Moßhammer, der in Puch bei Salzburg lebt, bewegt sich seit Jahren durch solche Klangräume. Einerseits tut er es mit diversen Blasinstrumenten. Andererseits tut er es ganz wörtlich, spielt Konzerte an außergewöhlichen Orten, begleitet mit seiner Musik Theaterproduktionen oder Filmprojekte im alpinen Raum. Einziges Prinzip: „Jedes Stück ist eine \DCberraschung. Es treibt mich der Reiz, etwas Neues zu entdecken, in dem, was ich tue“, sagt er im SN-Gespräch.

Schon länger war für heuer ein neuer Tonträger geplant. Wie der schließlich zustande kam, war dennoch „ein Glücksfall, eine Sache, von der ich nicht dachte, dass sie mir einmal passieren könnte“, sagt der 56-jährige Moßhammer. Das Album musste nämlich nicht selbstausbeuterisch in Eigenregie aufgenommen werden. Es wurde vom neuen Label Jawo produziert.

„Bei die.hammerling geht ein enormes künstlerisches Querdenken mit einer gewaltigen Portion Bühnenerfahrung einher. Dazu kommen die unerschöpflichen Ideen und nicht zuletzt auch die geradezu ,abenteuerliche‘ Instrumentierung des Ensembles“, sagt Jawo-Gründer Gerold Merkle den SN. Seit Jahren ist Merkle, daheim in Immenstadt im Allgäu, in der Branche als Konzertveranstalter tätig. Mit dem neuen Label will er innovative Musik veröffentlichen, die „vornehmlich in Liveatmosphäre“ aufgenommen wird. So machten es auch die.hammerling.

In drei Tagen wurde das Album eingespielt. Dabei entstanden auch ganz neue Nummern. Zu hören sind keine Zusammenschnitte, sondern die besten Takes der Studio-Session. „Die Künstler sollen sich ohne Vorgaben die Seele aus dem Leib spielen können“, sagt Merkle.

Die Musik von die.hammerling klingt in jedem seufzenden Ton, in jeder stimmigen Aufhellung wie ein Angriff auf sture und deshalb dumme Bewahrungsmentalität. Es wird aber nicht zugeschlagen oder zertrümmert. Stattdessen komponieren Dietl, Moßhammer und Rehling raffiniert an der Fadesse der Wiederholung vorbei und zielsicher hinein in eine neue Welt. Alles, leises Hauchen oder wildes Hämmern, klingt nach Aufbruch, auch wenn die Klänge tief in Traditionen wurzeln.

Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten, 13. 12. 2010

Passauer Neue Presse

Auf dem Thron

die.hammerling geben ihre „Hommage an die verlorenen Sprachen“ in Passau

Mit dem Folklorejazz ihrer „Hommage an die verlorenen Sprachen“ hat am Freitag das Trio „die.hammerling“ das Passauer Caf\E9 Museum erfüllt. Das bayerisch-österreichische Trio heißt die.hammerling, seit die Landshuterin Michaela Dietl (Gesang, Akkordeon, Melodica) vor fünf Jahren auf Fritz Moßhammer (Gesang, Alphorn, Flügelhorn, Maultrommel, Trompete) und Erwin Rehling (Glocken, Marimbaphon, Schlagzeug) traf, seither deren 2002 gegründetes Duo erweitert.

Die Dietl ist Zentrum, Stimme und Stimmung des Trios und seinem eigenwilligen Mix aus Volksmusik, Dada, Tango, Jazz und Folk. Die einstige Straßenmusikantin scheint jene Unbekümmertheit der Solistin unter freiem Himmel nie verloren zu haben, ob sie, verwachsen mit ihrer Quetsch’n, bairische G’stanzl herbetet, die sinnliche Cabarett-Diseuse gibt, lautmalerisch im Duett mit Trompeten- oder Glockenklängen tiriliert, eindringlich von wahren Begebenheiten erzählt oder ihre Spielfreude mit Juchzern und Gelächter untermalt. Kongenial und sensibel fügen der souveräne Trompeter/Alphornist und der fantasievolle Percussionist sich, bändigen den Vulkan, aber nur so viel, dass er nicht ausbricht.

Diese Kunst des so spannenden wie in weiten Teilen lyrischen Miteinanders beherrschen alle drei so gut, dass sie bereits Filmmusik gemacht haben zum Dokumentarstreifen „\DCber den Berg“ (Therapie in den Alpen für junge Drogenkranke). Und „Drüber“ heißt auch eines dieser intensiven Stücke, das Rehling mit neun Glocken und dem Gebimmel einer Alm-Kuhherde einläutet. „Weil, wenn du in den Bergen lebst, musst du immer erst hinauf, um mit deiner Botschaft drüber zu kommen.“ Das haben die.hammerling längst geschafft: Sie thronen.

Christine Pierach

Kieler Nachrichten

Liebestolle Kühe im Pflanzenmeer

Das Trio die.hammerling flirrte in Steinfurt zwischen Vielfalt und Vertrautheit

Selten wohl passen Veranstaltung und Ambiente so gut zusammen wie beim Konzert des eigentlich unglaublichen Trios die.hammerling am letzten (Sommer-) Wochenende auf der malerischen Kleinen Bühne „Mutabilis“ in der Gärtnerei Gudrun Rix in Steinfurt bei Mielkendorf. Die Vielfalt, Fremdheit und Vertrautheit, Schönheit und Schroffheit, Harmonie und Asymmetrie der einzelnen Gewächse in diesem Pflanzenmeer, das jetzt zum beginnenden Herbst auch immer ein wenig in Moll blüht, wirkt tatsächlich wie das botanische \C4quivalent zum Programm „Hommage an die verlorenen Sprachen“ der drei Künstler aus dem Alpenland.

Was machen die.hammerling für Musik? Gute Frage. Und weil das eine gute Frage ist, macht es so eine Freude hinzuhören. Man tut dies mal mit der Lust des Abenteurers an den Rätseln musikalischen Neulands oder aber mit der selbstvergessenen Attitüde des Schwelgenden, wenn die Reise in vertrautere harmonische Gewässer führt. Stets aber bleibt man auf der Hut. Und das ist großartig. Das, was Michaela Dietl (Akkordeon, Gesang, Melodica), Fritz Moßhammer (Alphorn, Maultrommel, Fujara, Flügelhorn, Taschentrompete, Muschel, Stimme) und Erwin Rehling (Schlagzeug, Marimba, Steinspiel, Schellenbaum, Kuhglocken) da mit ihren Instrumenten und Stimmen hinzaubern, ist ein weltgewandtes, unsichtbar aber doch spürbar auf alpenländischen Volksmusik errichtetes Wunderwerk. Skurriles Wispern, Hauchen und Raunen gesellt sich zu epischen Melodielinien, exotische Klangfarben strahlen neben melancholischen Nebelschleiern, laszive Tango-Arrangements neben märchenhaft-pittoreskem Liedgut. Dennoch, all dies wirkt wie aus einem Guss, ist keine Effekthascherei, sondern steht intelligent konstruiert felsenfest da.

Thematisch bietet die Band eine ähnliche Spannbreite wie musikalisch. Es geht um liebestolle Kühe (Flört), freejazzliebende Ticketverkäuferinnen (Für Lisa), das Leben an sich (Ums Eck, Verdraht). Wir hören eine betörende Hommage an Jazz-Ikone Billie Holiday (Blue Bird) oder die bittersüße Parabel Stimme des Mondes.

Durch diese Vielfalt und emotionale Treffsicherheit fanden die Kompositionen folgerichtig auch den Weg in die Theater- und Filmmusik. 2010 schrieben die.hammerling den Score zu dem Dokumentarfilm „\DCber den Berg“,
der eine therapeutisch begleitete Alpenüberquerung drogenabhängiger junger Leute schildert und bei der Weltpremiere beim Internationalen Bergfilmfestival Tegernsee den Publikumspreis gewann.

Das Donnergrollen des nahenden Gewitters verunsicherte an diesem Konzert-nachmittag indes niemanden, denn musikalisch schöner als mit dem mythisch-melancholischen Jahbonar hätten die Musiker den wohl endgültigen Abschied vom Sommer nicht begleiten können.

die.hammerling im Marstall

ALLES KLINGT

die.hammerling im Marstall (Ahrensburg)

Wenn ein Abend seit langer Zeit wieder einmal das Prädikat „Besonders wertvoll“ und eine Musik das Attribut „bezaubernd“ verdient hat, dann dieser/diese: das Trio die.hammerling (sprich: Michaela Dietl, Akkordeon und Stimme, Fritz Moßhammer, Alphorn, Trompete, Maultrommel und anderes und Erwin Rehling, Perkussion auf ganzer Breite) verwandelte den Ahrensburger Marstall am 3. September in eine magische Zwischenwelt. Wer die Augen schloss – was allerdings keiner tat, da man sonst die wunderbaren Menschen nicht bei der Arbeit hätte beobachten können – war im Nullkommanichts in einer Bergregion süddeutscher Provenienz. Und sofort anschließend im Hexenkessel des Free Jazz, den man auch in New York oder London nicht feiner hören kann. Und gleich darauf im Nachtclub, dann in serbischer Einsamkeit, mitten in einem Kosturica-Film mit Musik von Bregovic, wieder zurück auf der Alm, am Totenbett der Billie Holiday – ach, einfach (beinahe) überall.

die.hammerling spielt nicht einfach Musik, das Ensemble streichelt und quält seine Instrumente, als gelte es, ums \DCberleben zu kämpfen. Und moderiert zwischendurch frisch von der Leber weg, das einem Hören und Sehen aufgeht. Titel? Bitte sehr: der Abend (denn von einem Konzert kann keine Rede sein, es war vielmehr ein Gesamtkunstwerk) heißt „Hommage an die verlorenen Sprachen“, ist unter diesem Namen auch auf CD erhältlich und vereint zärtlichste gestopfte Trompete mit traurig-süßem Gesang, manisches Steinspiel, virtuos-ironisches Glockenläuten und Alphornwiehern, Hauchen, Wispern, Zirpen und Gröhlen. Halt alles, was den Menschen so ausmacht.

Die etwa 50 Besucher an diesem weichen Sommerabend wurden Teil einer Klanginszenierung und eines Rauschs. Die teilweise erfundenen Sprachen (die wir wie alte Bekannte zu kennen glaubten), die miteinander verwobenen Töne und Geräusche ergriffen unmittelbar die Seele. die.hammerling erfüllten den Satz Beethovens „von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen“. Wer sie nicht erlebte, ist selbst schuld. Und soll, so die einhellige Meinung von Veranstalter und Besuchern, im nächsten Jahr dann Gelegenheit haben, dabei zu sein, wenn alles klingt. Danke!

Die Interpreten

Improvisationen zu traditioneller alpenländischer Volksmusik
Von 1983 bis 2000 veränderten sie die Musikszene Bayerns und Österreichs

Heimat-Avantgarde
Wenn der Begriff Heimat-Avantgarde Sinn macht, dann hier: Die Interpreten sind oft abstrus, öfters anarchistisch, gelegentlich atonal, bauernschlau, hinterfotzig, jazzig, romantisch, lustig – der perfekte Soundtrack zu den unverzichtbaren Geistesverrenkungen von Karl Valentin und Herbert Achternbusch, und mindestens so an- und aufregend.

Musikalische Metamorphosen
Es sind die ständigen musikalischen Metamorphosen, die den Reiz der Interpreten ausmachen. Bei den Interpreten improvisiert Charlie Parker auf dem Alphorn, wird der Missisippi zu einem reißenden Gebirgsbach, spielt Dizzy Gillespie bei einer Floßfahrt auf und der Kiem Pauli beim Jazz-Fest in Montreux.
Süddeutsche Zeitung

Sie lehnen sich solange an die Volksmusik an, bis die nachgibt

Schaurig schön
Schaurig schön ist die Jazz-Volksmusik-Mixtur mit der Die Interpreten Heimatgefühlen auf die Sprünge helfen. Eigenkompositionen und frech arrangierte Volksweisen in ungewöhnlicher Besetzung: Saxophone und Klarinette, Schlagzeug und Akkordeon. Die kleinen Kunststücke haben Witz und Charme.
Sie sind die Kopfarbeiter der neuen Volksmusik, spielen mit Köpfchen, aber ohne Rücksicht auf Verluste.
Münchner Abendzeitung

Gesamtkunstwerk
Die Live-Auftritte der Interpreten haben sich im Laufe der Zeit zu einem Gesamtkunstwerk entwickelt. Was Andreas Koll in seinen skurrilen Überleitungstexten daherbringt, ist bayerisch-hintersinnige Poesie pur.
Was die Biermösl Blosn mit entsprechenden Texten und Attwenger in der Verbindung mit Punk und Hiphop auf meinen kleinen Hausaltar legten, die Interpreten tun es zusammen mit Jazz, welcher dadurch endlich wieder an Farbe gewinnt. Daß ich das noch erleben darf.
Hans Mentz / Titanic

Die Interpreten

Thomas Binegger Tenorsaxophon, Klarinette, Baßklarinette
Andreas Koll Baritonsaxophon, Akkordeon
Erwin Rehling Schlagzeug, Percussion, Kuh-Glocken

Lichtung

Neues von Früher.
Holzapfel und Rehling.

Neues von Früher führt in eine kindliche Welt aus heutiger Sicht!

Schauplatz dieser wahren und durchlebten Ereignisse aus den sechziger Jahren ist ein kleines Dorf in Oberbayern, in dem Rehling aufwuchs, wo jeder jeden kannte, wo es Anteil nehmende Nachbarschaft gab, der Spielplatz für die Kinder eine weitgehend intakte Natur. Die scheinbare Idylle birgt Momente voller Tragik, Komik und Humor!